IMRaD-Schema erklärt: Aufbau + deutsche Vorlage
Das IMRaD-Schema steht für Introduction, Methods, Results and Discussion und ist die international übliche Grundgliederung empirischer Arbeiten. Wer eine Untersuchung mit eigenen Daten schreibt, ordnet sie in vier Teile: Einleitung, Methoden, Ergebnisse, Diskussion. Das Schema macht Forschung nachvollziehbar und über Fächer hinweg vergleichbar.
Der Begriff wird „im-rad“ ausgesprochen und stammt aus den empirischen Wissenschaften. Ob Psychologie, Medizin oder eine empirische BWL-Arbeit: Sobald Sie selbst Daten erheben und auswerten, ist IMRaD der Bauplan, den Betreuende erwarten.
Was bedeutet IMRaD? Die vier Teile im Überblick
Jeder Buchstabe steht für einen Abschnitt mit einer klaren Leitfrage. Die Prozentwerte sind eine grobe Faustregel für eine empirische Abschlussarbeit, keine feste Vorgabe.
| Teil | Steht für | Leitfrage | Anteil (Faustregel) |
|---|---|---|---|
| I | Introduction (Einleitung) | Warum diese Arbeit? Was ist die Forschungsfrage? | ca. 15 % |
| M | Methods (Methoden) | Wie wurde untersucht? | ca. 25 % |
| R | Results (Ergebnisse) | Was kam heraus? | ca. 25 % |
| D | Discussion (Diskussion) | Was bedeuten die Ergebnisse? | ca. 25 % |
Die restlichen rund 10 Prozent verteilen sich auf Abstract, Verzeichnisse und ein kurzes Schlusskapitel. Wie stark die Teile ausfallen, hängt vom Fach und von Ihrer Prüfungsordnung ab. In der Medizin ist der Ergebnisteil oft der längste, in einer qualitativen Arbeit die Diskussion.
Introduction: die Einleitung im IMRaD-Schema
Die Einleitung führt zum Problem hin und mündet in Ihre Forschungsfrage. Sie erklärt, warum das Thema relevant ist, und ordnet es knapp in den Forschungsstand ein. Ausführliche Theorie kommt erst später oder in einen eigenen Theorieteil.
Was reingehört:
- Relevanz und Forschungslücke
- kompakter Stand der Forschung
- Forschungsfrage oder Hypothesen
- Zielsetzung und Aufbau der Arbeit
Zwei Formulierungsbeispiele:
„Trotz der wachsenden Verbreitung von Homeoffice ist bislang wenig darüber bekannt, wie Beschäftigte die Grenze zwischen Arbeit und Freizeit erleben.“
„Die vorliegende Arbeit untersucht daher, welche Faktoren die Zufriedenheit mit dem Homeoffice beeinflussen.“
Methods: der Methodenteil
Hier beschreiben Sie Ihr Vorgehen so genau, dass jemand anderes die Studie wiederholen könnte. Design, Stichprobe, Instrument, Durchführung und Auswertung gehören lückenlos hinein. Geschrieben wird im Präteritum.
Was reingehört:
- Forschungsdesign (quantitativ, qualitativ oder mixed)
- Stichprobe und Auswahlverfahren
- Erhebungsinstrument (Fragebogen, Leitfaden, Skalen)
- Durchführung der Erhebung
- Auswertungsverfahren und Software
Zwei Formulierungsbeispiele:
„Zur Beantwortung der Forschungsfrage wurde eine standardisierte Online-Befragung durchgeführt.“
„Die Interviews wurden mit der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring ausgewertet.“
Einen kompletten, ausformulierten Methodenteil zeigt der Beitrag Methodik der Bachelorarbeit sicher erstellen mit Muster und Vorlage.
Results: der Ergebnisteil
Der Ergebnisteil berichtet, was Sie herausgefunden haben, und zwar nur die Befunde. Interpretationen bleiben außen vor, die kommen in die Diskussion. Tabellen und Abbildungen tragen die Ergebnisse, der Text führt durch sie hindurch und nennt die wichtigsten Zahlen.
Was reingehört:
- Befunde entlang der Forschungsfrage
- Tabellen und Abbildungen mit Verweis im Text
- zentrale Kennwerte wie Häufigkeiten, Mittelwerte und Signifikanzen
- keine Deutung und kein Vergleich mit der Literatur
Zwei Formulierungsbeispiele:
„Von den 187 Befragten gaben 63 Prozent an, mindestens dreimal pro Woche im Homeoffice zu arbeiten.“
„Abbildung 2 zeigt einen signifikanten Zusammenhang zwischen Arbeitsdauer und wahrgenommener Belastung.“
Discussion: die Diskussion
In der Diskussion deuten Sie Ihre Ergebnisse und binden sie an den Forschungsstand zurück. Hier beantworten Sie Ihre Forschungsfrage, benennen Grenzen der eigenen Untersuchung und ziehen Schlüsse für Praxis und weitere Forschung.
Was reingehört:
- Interpretation der Ergebnisse
- Rückbindung an Forschungsfrage und Literatur
- Limitationen der eigenen Studie
- Implikationen und Ausblick
Zwei Formulierungsbeispiele:
„Die Ergebnisse stützen die Annahme, dass eine klare zeitliche Trennung die Belastung senkt.“
„Einschränkend ist die geringe Stichprobengröße zu nennen, die eine Verallgemeinerung erschwert.“
Manche Fächer fassen Ergebnisse und Diskussion zu einem Kapitel „Results and Discussion“ zusammen. Häufiger bleiben sie getrennt, gefolgt von einer kurzen Schlussbetrachtung, die die Kernaussage in wenigen Sätzen bündelt.
IMRaD an einem Beispiel: eine Mustergliederung
So könnte die Gliederung einer empirischen Bachelorarbeit zum Thema Homeoffice aussehen:
- 1 Einleitung (Introduction): Relevanz des Themas, Forschungsstand in Kürze, Forschungsfrage, Aufbau der Arbeit
- 2 Methoden (Methods): Querschnittsdesign, Online-Befragung, Stichprobe von 187 Studierenden, Fragebogen, Auswertung mit SPSS
- 3 Ergebnisse (Results): deskriptive Befunde, Zusammenhang von Arbeitsdauer und Belastung, Prüfung der Hypothesen
- 4 Diskussion (Discussion): Deutung der Befunde, Rückbindung an die Literatur, Grenzen der Studie, Ausblick
Daran sehen Sie den roten Faden: Die Einleitung stellt die Frage, die Methoden zeigen den Weg, die Ergebnisse liefern die Antwort und die Diskussion ordnet sie ein. Diese Logik trägt jede empirische Arbeit, unabhängig vom Fach.
IMRaD und die klassische deutsche Gliederung
Die deutsche Tradition kennt einen eigenständigen Theorieteil zwischen Einleitung und Methode. Im reinen IMRaD steckt die Theorie in der Introduction. Viele empirische Arbeiten an deutschen Hochschulen nutzen deshalb eine erweiterte Variante, oft „IMRaD+T“ genannt.
| Reines IMRaD | Deutsche Variante (IMRaD+T) |
|---|---|
| Introduction (inklusive Theorie) | Einleitung |
| Methods | Theoretischer Rahmen |
| Results | Methode |
| Discussion | Ergebnisse |
| Diskussion |
Fragen Sie im Zweifel Ihre Betreuung, welche Variante erwartet wird. Beide sind wissenschaftlich sauber, solange die Logik von Frage, Vorgehen, Befund und Deutung erkennbar bleibt.
Wann Sie das IMRaD-Schema nutzen sollten
In Psychologie, Medizin und den Naturwissenschaften ist IMRaD der Standard und bei Zeitschriftenartikeln nach APA praktisch Pflicht. In BWL und den Sozialwissenschaften wird es häufig erweitert, etwa um einen ausführlichen Theorieteil oder mehrere Ergebniskapitel. In Informatik und den Ingenieurwissenschaften ist eine IMRaD-nahe Struktur ebenfalls verbreitet, oft ergänzt um einen Abschnitt zum Stand der Technik oder zur Umsetzung.
Für eine reine Literaturarbeit ohne eigene Datenerhebung passt IMRaD nicht eins zu eins, weil ein klassischer Ergebnisteil aus Rohdaten fehlt. Wer stattdessen systematisch Literatur auswertet, orientiert sich eher an einer systematischen Literaturrecherche und dokumentiert die Trefferauswahl mit einem PRISMA-Flussdiagramm.
In welcher Reihenfolge schreiben Sie die Kapitel?
Sie müssen IMRaD nicht von vorne nach hinten schreiben. Viele beginnen mit den Methoden, weil dieser Teil am klarsten feststeht, sobald die Erhebung läuft. Danach folgen die Ergebnisse, weil sie direkt aus den Daten entstehen.
Die Einleitung schreibt sich am Ende oft leichter, weil Sie dann genau wissen, worauf die Arbeit hinausläuft. Den Abstract formulieren Sie ganz zuletzt, wenn alle Teile stehen. So vermeiden Sie eine Einleitung, die am Ende nicht mehr zu den Ergebnissen passt.
Häufige Fehler im IMRaD-Aufbau
- Theorie im Ergebnisteil: Fremde Studien und Modelle gehören in die Einleitung, nicht zu den eigenen Befunden.
- Deutung im Ergebnisteil: Interpretationen und Vergleiche mit der Literatur kommen in die Diskussion.
- Methoden im Präsens: Ein abgeschlossenes Vorgehen berichten Sie im Präteritum.
- Neue Ergebnisse in der Diskussion: Dort deuten Sie nur, was im Ergebnisteil bereits steht.
Der Abstract nach IMRaD
Der Abstract ist IMRaD in Kurzform. Auf 150 bis 250 Wörter bildet er dieselbe Logik ab: Hintergrund und Ziel, Methode, zentrale Ergebnisse, Schlussfolgerung. Ein Satz pro Teil reicht oft schon.
„Hintergrund und Ziel: ... Methode: Befragung von 187 Studierenden. Ergebnisse: ... Schlussfolgerung: ...“
So erkennt die Leserin in wenigen Zeilen, worum es geht und was herauskam.
Vorlage zum Mitnehmen: IMRaD-Gliederungsvorlage kostenlos als Word-Datei herunterladen (.docx) – funktioniert in Word, Google Docs und LibreOffice.
Die Vorlage enthält die vier Kapitel als Gerüst mit Platzhaltern und den Formulierungsbeispielen aus diesem Beitrag.
Wenn Sie das Gerüst schneller gefüllt bekommen möchten, hilft KalemiFlow als KI-Copilot, der Kapitelentwürfe entlang der IMRaD-Struktur schreibt und dabei mit echten, überprüfbaren Quellen zitiert. Nutzen Sie die Entwürfe als Grundlage und Lernhilfe, prüfen Sie jede Quelle selbst und halten Sie die Vorgaben Ihrer Prüfungsordnung ein.
Häufige Fragen
Was bedeutet die Abkürzung IMRaD?
IMRaD steht für Introduction, Methods, Results and Discussion, auf Deutsch Einleitung, Methoden, Ergebnisse und Diskussion. Es ist die Standardgliederung empirischer Forschungsarbeiten und macht Studien international nachvollziehbar. Das kleine „a“ steht schlicht für das englische „and“.
Ist das IMRaD-Schema auch für die Bachelorarbeit geeignet?
Ja, sofern Sie eigene Daten erheben. Für empirische Bachelorarbeiten in Psychologie, Medizin oder den Naturwissenschaften ist IMRaD üblich. In BWL oder Sozialer Arbeit wird es meist um einen Theorieteil erweitert. Klären Sie die erwartete Variante mit Ihrer Betreuung.
Wo kommt der Theorieteil im IMRaD-Schema hin?
Im reinen IMRaD ist die Theorie Teil der Introduction. An deutschen Hochschulen wird häufig ein eigener Theorieteil zwischen Einleitung und Methode eingefügt, die sogenannte IMRaD+T-Variante. Beide Formen sind korrekt, solange der rote Faden erhalten bleibt.
Gehören Results und Discussion zusammen oder getrennt?
Beides ist möglich. Manche Fächer und Zeitschriften kombinieren sie zu „Results and Discussion“. In deutschen Abschlussarbeiten sind getrennte Kapitel üblich: erst die reinen Ergebnisse, dann die Deutung in der Diskussion. So bleibt sauber getrennt, was Befund und was Interpretation ist.
Wie viele Wörter hat ein Abstract nach IMRaD?
Ein Abstract umfasst meist 150 bis 250 Wörter. Er bildet die vier IMRaD-Teile in Kurzform ab: je ein bis zwei Sätze zu Hintergrund und Ziel, zur Methode, zu den zentralen Ergebnissen und zur Schlussfolgerung. Fachzeitschriften geben teils engere Wortgrenzen vor, die Vorgabe Ihrer Hochschule geht vor.